Den eignen Tod, den stirbt man nur.

             Doch mit dem Tod der andern muss man leben.

                                                Mascha Kaléko

WEITERBILDUNGEN FÜR TRAUERBEGLEITER

Trauer wirklich verstehen
Trauer wirklich verstehen

Wenn dir jemand begegnet, so erinnere dich daran, dass es eine heilige

Begegnung ist. Wie du ihn siehst, wirst du dich selber sehen. Wie du ihn

behandelst, wirst du dich selbst behandeln. Wie du über ihn denkst, wirst du

über dich selbst denken. Vergiss dies nie, denn in ihm wirst du

dich selbst finden oder verlieren.

Jedesmal, wenn wir uns einander begegnen, ist dies eine neue Gelegenheit

zur Erlösung. Gehe nie von irgendjemandem fort, ohne ihm Erlösung geschenkt

und sie selber empfangen zu haben.

                                                                        Ein Kurs in Wundern

In kaum einer Situation zeigt sich die Verwundbarkeit und Machtlosigkeit unseres Mensch-seins deutlicher als in Gegenwart des Todes. Hat sich im Tabubereich Tod in den letzten Jahrzehnten besonders durch die Hospizbewegung allmählich eine fürsorgende Kultur für Sterbende entwickelt, bleiben Hinterbliebene und Trauernde immer noch vorwiegend un-gesehen und in ihrer Trauer alleine gelassen. Den zwischenzeitlich entstandenen Trauer-begleitungen und Trauergruppen ist zu wünschen, dass ihnen eine ähnliche Entwicklung möglich ist wie ihrer Vorgängerin Sterbebegleitung. Heute steht Trauer ganz offensichtlich noch im Kernschatten der Sterbebegleitung und der Erforschung des Todes. Diese Situation hat eine Jahrtausende lange Tradition: das sogenannte Tibetische wie auch das Ägyptische Totenbuch befassen sich ausführlich mit Sterben und Tod. Und auch die Religionen haben eine Vielzahl an Ritualen für den Umgang mit Sterben und Tod etabliert. Ihren Endpunkt finden sie mit der Bestattung, vereinzelt später noch im Seelen- und Auferstehungsamt. Doch wer wacht über die Trauernden?

 

Trauer ist Sterben, ein Sterben in ein neues Leben. Wird diese prägnante Definition der Trauer schon bald anerkanntes Allgemeingut? Bisher definiert das Humboldt-Psychologie-Lexikon Trauer als »Die von oft heftigen psychischen wie psychosomatischen Symptomen begleitete Reaktion auf den Verlust einer geliebten Person« und erweitert damit zaghaft die klassische Definition von Sigmund Freud, der Trauer »als regelmässige Reaktion auf den Verlust einer geliebten Person« bezeichnet hatte. Häufig wird sie als Gefühl oder Emotion bezeichnet. Dabei ist Trauer ein vielschichtiges Wort, das in seiner Komplexität deutlich über einen emotionalen Zustand hinaus einen biopsychosozialen Bewältigungsprozess darstellt, der auch durch kulturelle und soziale Normen beeinflusst wird.

 

Erik Erikson hatte schon1965 darauf hingewiesen, dass der Mensch von Geburt an mit unterschiedlichen Trennungssituationen konfrontiert ist. Der Schritt in eine nächste Phase sei

               erst möglich, wenn man sich aus dem Schutz und der Sicherheit des bisherigen

               Zustandes herauslöst. Dieser innere Kampf zwischen neuen Herausforderungen

               und liebgewordenen Gewohnheiten könne nur gewonnen werden, wenn der

               Verlust verarbeitet wird, so Erikson. Damit hatte er einen wesentlichen Grundstein

               für ein Verständnis der Trauer und des Trauerprozesses beschrieben, der rätsel-

               haft ungehört blieb. Noch rätselhafter muss anmuten, dass Viktor E. Frankl in

               diesem Themenkomplex so gut wie keine Beachtung erhalten hat. Wie kein

               anderer, und mit einer Berechtigung wie kein anderer, hat er sich mit dem Sinn des Leidens beschäftigt und heilsame Ergebnisse gefunden, die in unserem Menschsein eine zeitlose Gültigkeit besitzen.

So wichtig dieser erweiterte Blick auf die Trauer und den Trauernden auch ist, immer noch wird damit ein nur nebulöses Gebilde entworfen, das kaum konkrete Ankerpunkte weder für Trauernde noch für Trauerbegleiter bietet. Der amerikanische Trauerforscher Bonanno be- mängelt deshalb, dass eine eindeutige, empirisch belegte Definition der Trauer mit ihren Verläufen und Erscheinungsformen noch aussteht. Auch um das Bedürfnis der Trauernden und Trauerbegleitern nach einem tieferen Verständnis und konkreteren Wegweisern zu stillen.

Lamp & Smith haben dann 2004 eine offene und umfassende Arbeitsdefinition formuliert: »Hinterbliebenentrauer wird heute als aktives Geschehen interpretiert und Trauernde werden als auto-poietisch Lernende begriffen, die die Verantwortung für ihr Weiterleben und ihr Handeln nach dem Verlust übernehmen...« Zur gleichen Zeit definierte Lammer Trauer als einen normalen, gesunden und psychohygienisch notwendigen Prozess der Verarbeitung von einschneidenden Verlusten und Veränderungen.

 

Ist noch eine kürzere, prägnantere Definition der Trauer möglich, mit einer klaren, nachvoll-ziehbaren Transparenz des Trauerprozesses? Diese Definition will ich hier vorstellen: 

Trauer ist Sterben, ein Sterben in ein neues Leben.

Trauer ist eine intensive Übergangssituation aus einer Lebensphase in eine neue. Der Tote ist einen physischen Tod gestorben. Der Trauernde stirbt einen psychischen Tod. Die Trauer über den Verlust eines Menschen führt den Trauernden auch an die Trauer über das, was er in sich selbst verloren hat. So geht er selbst durch einen Sterbeprozess und erlebt ihn als Geburtsvorgang in ein neues Leben.

 

So deutlich diese Definition an der Arbeit von Erikson anknüpft, so deutlich ist sie auch mit der Aussage von Viktor E. Frankl verwoben, dass Leiden einen Sinn hat, wenn man selbst ein anderer wird. Die beiden anderen primären Impulsgeber sind Virginia Satir und insbe-sonders Stanislav Grof, der mit seiner jahrzehntelangen transpersonalen Arbeit und For-schung primär mit terminal erkrankten Krebspatienten, den Ursprung unserer Prägungen

und den daraus resultierendem Umgang mit Lebenskrisen klar aufgezeigt hat.

Diese erweiterte Kartografie ermöglicht ein tiefgreifendes Verständnis der Trauer und des Trauerprozesses. Dabei docken die geläufigen Modelle der Trauerphasen und Aufgben der Trauerarbeit deutlich erkennbar an Ihnen an. So wird mit diesen Ansatz eine Synthese mit einer bisher vermissten Transparenz, Deutlichkeit und Griffigkeit geschaffen. Das Bedürfnis von Trauernden nach einer Orientierung, nach Informationen, die beitragen, die eigenen Erfahrungen verstehen und einordnen zu können, wird damit erschöpfend erfüllt. Auch ent-lastet sie die Erkenntnis, dass das Spektrum an möglichen Erfahrungen und eigenen Reak-tionen sehr breit ist und auch extreme und ihnen sonst ungewohnte Emotionen, Körperemp-findungen, Gedanken und Verhaltensweisen einschließt. So kann die Trauer angenommen werden und entfaltet ihre heilsame Kraft, den Verlust akzeptieren zu können und innerhalb der neuen Rahmenbedingungen eine sinnvolle und befriedigende Perspektive für die Zukunft finden zu können. Der Trauernde erlebt die Metamorphose im Außen und im Innen. Aus der finsteren Nacht der Seele geht ein neues Leben hervor.

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Wirklich zuhören

Zuhören ist weniger eine Frage von Me-thode und Technik. Wahre Kommunika-tion bewegt und verbindet Menschen. Dieser Kurs ist eine Entdeckungsreise zum wirklichen Zuhören und dadurch zum wirklichen Kontakt mit Ihrem Ge- genüber.

Buddhas Tränen

Um als Trauernder von Buddhas Ver-mächtnis zu profitieren, muss er weder Buddhist sein, noch werden. Dieser Kurs macht Trauerbegleiter mit den Prämissen der Achtsamkeitsmeditation vertraut und befähigt sie zu ihrer Anleitung mit Trau-ernden oder in Trauergruppen.

Der Systemische Blick

Kaum ein Ansatz hat sich in der sozialen, familiären und professionellen Arbeit über Jahrzehnte eindrucksvoll bewährt und fest verankert, wie der systemische. Dieser Kurs macht Trauerbegleiter mit dem systemischen Blick und mit den grundsätzlichen Lösungswegen vertraut.

»Unter all den vergänglichen Schmuckstücken dieses Lebens

gibt es nur eine Schönheit, die sich ihre Pracht und ihren Charme

bewahrt hat – die Liebe.

Dort, wo der Klang der Liebe –sanfter und wärmer als ein Wiegenlied–

erklingt, verstummen alle anderen Stimmen und Instrumente und

vereinigen sich mit ihren schönsten und eingängigsten Melodien in

der Versunkenheit der Stille.«

                                                                 M. Fethullah Gülen

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