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noch ungewohnte Blicke
auf die Trauer
Die Stoiker
– Possibilismus

Die Pessimisten unter den Trauernden sind davon überzeugt, dass sie jetzt jahrelang, viel-leicht ihr ganzes Leben lang von diesem alles Leben verschlingenden pechschwarzen Loch verfolgt werden. Überhaupt ist für sie ein Leben ohne den Verstorbenen weder vorstellbar noch sinnvoll. Einen Weg aus dieser Sackgasse gibt es nicht, jede Wandlung ist absolut ausgeschlossen. Die mehr optimistisch eingestellten Trauernden blicken mit der Hoffnung in die Zukunft, dass die Zeit alle Wunden heilen wird und sie nach ein paar Monaten wieder in ihr Leben zurückkommen werden und alles ganz normal weitergehen wird. Beide, Pessi-misten wie auch die Optimisten tun sich mit ihren starren Haltungen nichts Gutes.

In aller Deutlichkeit zeigt sich das im Erleben von Admiral James Stockdale als Gefangener im Vietnamkrieg. Angetan von den Stoikern des alten Griechenlands nahm Stockdale die schlimmsten Tatsachen seiner Situation an, während er sich ebenso den Glauben an seine
Rettung bewahrte. Er hatte erkannt, dass er trotz der Gefangennahme und Folterungen immer noch die Fähigkeit zu seinem freien Willen hatte. Obwohl er nicht ändern konnte, was ihm geschah, konnte er kontrollieren, wie er auf alles reagierte. Und das ist etwas anderes als nur zu hoffen, dass es am Ende gut wird. Es ist proaktiv und realistisch in Bezug auf die Situation.

              Zuversicht bezieht immer uns selbst in unsere Erwartungen und Handlungen mit 

               ein. Während Hoffnung uns eher auf die passive Wartebank setzt, nimmt uns

               Zuversicht in die direkte Verantwor-tung. Sie baut eine Brücke zur Zukunft, in der

               der Trauernde eine wahrhaftige Rolle ausfüllt. In der Zuversicht kann er auch all

               das Dunkle und Schreckliche ansehen, ohne dass es von ihm vollständig Besitz ergreift und ihn übermannt. Hoffnung navigiert hilflos auf der stürmischen See, in der Sehn-sucht nach Rettung. Zuversicht hingegen lässt uns in eine Selbstveränderung hineinwachsen. Sie lässt das Zukünftige, das Ankommen im neuen, radikal veränderten Leben, also die erweiterten Fähigkeiten des Trauernden, in ihm selbst wachsen und gedeihen. Zuversicht vertraut, dass im fließenden Prozess des Wandels nicht nur ein neues, sondern auch ein vollständiges Bild entsteht. Dass der neue Lebensraum zwar anders, doch ebenso vollkommen ist. Der Trauernde wird fähig, das Leid anzunehmen, das über den Abgrund des Lebens gebaut ist und glaubt an das Mögliche. Auch wenn er sich das im Moment tiefster Trauer gerade nicht vorstellen kann. Und sich deshalb in die verlockenden Fluchtwege Verdrängun-gen oder Beschönigungen rettet, um Schmerzen und Sorgen durch Tod und Trauer klein und unter Kontrolle halten zu können. Ihre Wirkung jedoch gelingt nur für kurze Zeit und im Unter-grund sammeln sich Schmerz und Sorgen an, um mit noch größerer Wucht auszubrechen und den Trauernden noch intensiver als zuvor damit zu konfrontieren.

Die Anregungen der Stoiker sind kein Lehrgebilde, sondern eine Medizin, die uns helfen soll, mit den Schwierigkeiten des Lebens umzugehen. Dazu gehört als ein Basishinweis ihr ‚amor fati‘, die Liebe zum eigenen Schicksal. Aufzuhören, sich etwas anderes zu wünschen, als das was ist, ein anderes Schicksal. Weil dies bedeuten würde, ein falsches Leben zu führen. Denn nach den Stoikern verfügen wir über eine Art innere Zitadelle. Eine Festung, 

               die unsere Seele schützt. Auch wenn wir physisch verwundbar sein mögen, in

               vielleicht sogar in vielerlei Hinsicht dem Schicksal ausgeliefert sind, sei unser

               innerster Raum undurchdringlich. Nichts könne unsere Seele zerstören, wie es

               Marc Aurel ausgedrückt hatte.

              Die Stoiker waren nicht frei von Emotionen, sie wollten nur giftige Emotionen  

               beseitigen. Sie versuchen, eine Unterstützung zu geben, auch bei stürmisch aufgewühlter Lebenssee so gut wie nur möglich an das rettende Ufer zu gelangen. Um das Beste aus allem entstehen zu lassen, was geschieht. Es zu umarmen statt zu vermeiden. Es nicht nur zu akzeptieren, sondern restlos einverstanden sein damit. Der Stoiker handelt in die Entwicklung hinein, lässt den Weg durch sein Gehen entstehen. Sein Umgang mit Unwägbar-keiten und Unsicherheiten entsteht aus einer vertrauensvollen Basis mit sich selbst.

Dieser Workshop macht Trauerbegleiter mit dem Stoizismus als prall gefüllte Fundgrube für Trauernde vertraut. Unter einer Vielzahl stoischer Anregungen finden Trauernde konkrete Denk- und Handlungsimpulse, die endlich weiterverbreitet werden müssen. Sie finden hier eines der machtvollsten Werkzeuge zur Trauerbewältigung.

 

 

 

 

Der Workshop wird in diesem Jahr als eintägiges Webinar angeboten. Die Durchführung ist auch intern in Organisationen möglich, in Präsenz oder digital.

Noch verfügbare Termine

Freitag, 29. Oktober 2021

Beschreibung und Anmeldung zum Download:

Du willst nicht akzeptie-ren, was du akzeptieren musst.Und du versuchst

zu ändern, was sich nicht ändern lässt. So quälst

du dich selbst.

Kodo Sawaki

Am Grunde der Moldau

da wandern die Steine.

Es liegen drei Kaiser be-graben in Prag. Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine. Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag.

Berthold Brecht

Sag nie dass du etwas verloren hättest,
sage besser dass du etwas zurückgegeben hast.
Ist ein dir lieber Mensch gestorben?
Er wurde zurückgegeben.
Wurde dir etwas gestohlen,
auch das wurde zurückgegeben.
Behandle alles was dir gegeben ist
wie Reisende ihre Herberge.

Epiktet

 
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Wirklich zuhören

Zuhören ist weniger eine Frage von Me-thode und Technik. Wahre Kommunika-tion bewegt und verbindet Menschen. Dieser Workshop ist eine Entdeckungs-reise zum wirklichen Zuhören und dadurch zum wirklichen Kontakt mit Ihrem Ge- genüber.

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balsam-Gedankenbuchs

Schreiben ist in der Therapie ein längst gängiges Verfahren, dessen heilsame Wirkung überzeugend belegt ist. Dieser Workshop macht Sie mit der Anleitung zum Führen eines Tagebuchs und lösenden Briefeschreibens für Trauernde vertraut.

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Kaum ein Ansatz hat sich in der sozialen, familiären und professionellen Arbeit über Jahrzehnte eindrucksvoll bewährt und fest verankert, wie der systemische. Dieser Workshop macht Trauerbegleiter mit dem systemischen Blick und mit den grundsätzlichen Lösungswegen vertraut.

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